Das Programm

der mittelständischen Wirtschaftspüfer und vereidigten Buchprüfer im Beirat der Wirtschaftsprüferkammer
Qualitätskontrolle mit Augenmaß

Qualitätskontrolle mit Augenmaß

Die Umsatzsicherung ist für die Big4 der wahre Grund für die Einführung der Qualitätskontrolle im Jahr 2000.

Es war die schiere Angst der Big4 vor dem Verlust lukrativer US-Prüfungsmandate, die IDW/WPK 2000 veranlasste, auch in Deutschland die Einführung der Qualitätskontrolle zu fordern. Damit konnten die Großen Gesellschaften die deutschen Prüfungsmandate der US-Gesellschaften behalten.

IDW und WP-Kammer spielten bei der Überzeugungsarbeit des mittelständischen Berufsstands mit gezinkten Karten. Statt wahrheitsgetreu das oben genannte Eigeninteresse der Big4 als Grund zu nennen, verbreiteten WPK/IDW im WP-Berufsstand die Illusion: Die erfolgreiche Qualitätskontrolle verhindere die Spaltung des Berufsstands und bedeute zusätzlich hohe Prüfungsqualität, was wiederum als Werbemittel eingesetzt werden könne.

Das genaue Gegenteil trat ein. Die 2000 eingeführte IDW/Big4-Qualitätskontrolle führte im Laufe der Zeit zur Spaltung des Berufsstands. Statt Umsatzsteigerung beim freiberuflichen Berufsstand gab es die Amputation der Abschlussprüfung vom Geschäftsmodell. Von rund 4.500 Prüferpraxen am Anfang sind heute noch rund 3.000 Prüferpraxen als Abschlussprüfer übriggeblieben.

Assymmetrische Big4-Qualitätskontrollen beseitigen

Je größer die Gesellschaft, desto geringer die Überwachung. Diese Erkenntnisse haben wir inzwischen aus den wenigen Informationen über die Big4-Qualitätskontrollen herausfinden können.

Obwohl der auftragsverantwortliche Wirtschaftsprüfer die größte Risikostelle für den Bestätigungsvermerk ist, muss bei der IDW/WPK-Qualitätskontrolle nicht jeder überprüft werden. Für die Wirksamkeitsprüfung sind bei den Big4 rund 1% der Aufträge (rund 30-50) ausreichend. Damit sparen sich Big4&Friends nicht nur Millionen an Kosten gegenüber den Einzelpraxen, die Prüfung der Wirksamkeit bleibt auf der Strecke. Bei den kleinen Einheiten wird das 100- bis 200-fache an Überwachung durchgeführt.

Diese Assymmetrie liegt nicht der Natur der Sache, wie uns die Rechtsaufsicht zu unserer Beschwerde im Januar 2021 glaubhaft machen wollte.

Diese Privilegien haben wenig mit Gerechtigkeit, aber viel mit Lebensweisheit zu tun: "Wer die Spielregeln aufstellt, gewinnt das Spiel. Das ist auch Sinn der Spielregeln". Diese Spielregeln kommen vom Big4-Verband, dem IDW. Der Gesetz- und Satzungsgeber hätte das ändern können, hat aber bislang wenig für den Mittelstand und die Einzelpraxen getan.

Die Regierung hat aus unserer Sicht bei Ihrem Hinweis "dass die Big4-Vorteile in der Natur der Sache lägen", die Evolutionstheorie bedient und nicht die Berufsplichten geachtet.

Die Mini Big4-Qualitätskontrollen führen zu Prüfungsmängeln

Der behauptete Grund für die Mini Big4-Kontrollen: Die Großen hätten ein stabiles und eingeübtes Qualitätssicherungssystem (QSS). Die Big4-QSSe überwachen sich permanent selbst. Logische Folge: Bei den Qualitätskontrollen der Big4&Friends sind Nachschaumaßnahmen ausreichend.

Die Realität zeigt uns jedoch ein anderes Bild vom wirksamen QSS der Großen. 10 Jahre EY-Wirecard-Prüfungen belegen nicht nur uns, dass das wirksame QSS wohl eine optimistische Täuschung ist. Auch die Berichte der Financial Times über die Ergebnisse der britischen Prüfungsaufsicht im Börsensegment sagen aus, dass deren Mängelquote zwischen 30 bis 50% liege. Bei so viel Mängelleistung müsste jeder Industriebetrieb die Pforten schließen. Die Prüfungssysteme werden und können nicht im Sinne von Schmalenbachs funktionieren. Grund: Die Professional Service Firms (PSF) verhindern die Einhaltung der Berufspflichten. Denn "Die PSF sind fortwährend der Gefahr ausgesetzt, das Öffentliche Gut (Bestätigungsvermerk, Anm. Gschrei) zugunsten der der Profitmaximierung zu vernachlässigen" (so Dr. Jens Alt, in seiner Diss., S.69). Und welche Lehren zieht die deutsche KfQK daraus: "Qualitätskontrollen sind mängelfrei".

Es liegt also gerade nicht in der Natur der Sache, dass bei den Großen Gesellschaften die Qualitätskontrolle durch die Nachschau (fast) ersetzt werden könnte. Die Mini-Qualitätskontrollen basieren auf selbstgemachten Spielregeln.

Das Grundrecht auf verhältnismäßige Qualitätskontrollen verwirklichen

Die Qualitätskontrolle ist ein massiver Eingriff in die Berufsausübungsfreiheit nach Art. 12 GG. Dieser Eingriff muss verhältnismäßig sein. Die eingesetzten Kontroll-Maßnahmen - eine von mehreren (tatsächlich und rechtlich) möglichen – darf die betroffenen WP/vBP-Praxen und die Allgemeinheit am wenigsten beeinträchtigen. Auf Basis des § 57a Abs. 5a WPO zur verhältnismäßigen Qualitätskontrollen stellen wir eine Lösung bei freiberuflichen Praxen vor.

Die 2019 von wp.net mit entwickelten Regelungen der neuen Satzung für Qualitätskontrolle haben bereits einige Elemente der Skalierung aufgenommen. Im Hinweis der KfQK 2020 wurden diese aber wieder rückabgewickelt.

Im Gegensatz zu den Prüfungen bei Big4 und großer Gesellschaften ist zu berücksichtigen, dass bei KMU-Prüfungen der Abschlussprüfer bzw. der verantwortliche Wirtschaftsprüfer bei der Prüfung dabei ist. Folgende Möglichkeiten sehen wir vor:

  • Die Hinweise der KfQK aus 2020 zur Durchführung und Dokumentation und zur Berichterstattung sind aufzuheben
  • Keine Systemprüfung des „internen Qualitätssicherungssystems“ bei einer kleinen Praxis. Damit reicht für die Dokumentation der APg die Beurteilung der eingeholten Prüfungsnachweise aus
  • Strukturiert abgelegte Prüfungsnachweise sollten ausreichend sein, um den Nachweis zu führen, dass die vom Abschlussprüfer getroffenen Feststellungen auf Prüfungsnachweisen basieren
  • Einbezug der internen Nachschau in die Wirksamkeitsprüfung
  • Keine Firewall bei den QKs der Großen Gesellschaften
  • Keine Registrierung als Abschlussprüfer für die Zulassung als Prüfer für Qualitätskontrolle. Die EU-Reform verlangt keine Abschlussprüfereigenschaft
  • Keine Fachaufsicht und Kontrolle über die Prüfer für Qualitätskontrolle durch die Kommission f. QK.
  • Klar geregelte Letztverantwortung der Abschlussprüferaufsichtsstelle (APAS), statt direkter Zuständigkeit der APAS über die Abschlussprüfer. Letztaufsicht ist klarer zu definieren
  • APAS streng auf die Letztaufsicht begrenzen. Keine Vorgabe kritischer Erfolgsfaktoren. Wenn, dann auch für die Big4-Qualitätskontrolle
  • Unterstellung der APAS unter die Fachaufsicht des BMWi und damit Beseitigung des Verfassungsverstoßes gegen das Demokratieprinzip des Art. 20 Abs. 1, 2 GG
  • Schaffung einer EU-Behörde zur Aufsicht über die Big4. Die Risiken aus der Big4-Größenordnung kann weder die KFQK, noch durch die APAS wirksam überwacht werden (keine Manpower)
  • Eine vom Qualitätskontrollprüfer vorgenommene Berichtskritik schließt die Qualitätskontrolle ab
Wenn Sie wollen, dass der WP-Mittelstand künftig nicht mehr den "Watschenmann" der Wirtschaftsprüfung abgibt, sondern endlich ernst genommen wird und auch die verhältnismäßigen Regeln bekommt, dann wählen Sie die Kandidaten und Kandidatinnen der WP-Gschrei- und der vBP-Eschbach-Liste!

Denken Sie daran: Die wp.net-Listen brauchen die absolute Mehrheit, um die Qualitätskontrolle für KMU-Praxen und Einzelpraxen verhältnismäßig zu machen.

Der WP Mittelstand und die Einzelpraxen haben nur dann eine starke Stimme, wenn die wp.net-Listen die absolute Mehrheit im Beirat der WPK bekommt.

Fundamentale Erneuerung der Big4-Abschlussprüfung fehlgeschlagen!