Das Programm

der mittelständischen Wirtschaftspüfer und vereidigten Buchprüfer im Beirat der Wirtschaftsprüferkammer
Facharbeit in der WPK

Facharbeit in der WPK

Seit dem Rückzug der WPK aus der Facharbeit bestimmen die großen Beitragszahler des IDW die Spielregeln der Berufsausübung, auch zum Schaden des WP-Mittelstands und der Einzelpraxen. Die WPK hat es 2016 nicht einmal geschafft, z.B. eine Berufssatzung oder eine Satzung für Qualitätskontrolle zu erstellen, ohne dass sich das IDW nicht veranlasst sah, durch ihre Standards nachzubessern.

Gemeinwohl vor Privatinteressen bleibt auf der Strecke

„Wer die Spielregeln aufstellt, gewinnt das Spiel“, sagt ein Sprichwort. Das privatrechtlich organisierte und von den Big4 über die Beiträge beherrschte Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e.V. (IDW) kann und darf keine Rechtsnormen schaffen, so schreibt Prof. Hansrudi Lenz im BB 2017, Heft 37 Seite 1. Die Feststellung der Prüfungsstandards des IDW wird nicht kontrolliert. Deswegen fordern wir: Die WP-Facharbeit gehört in die Gremien der Wirtschaftsprüferkammer. Die demokratisch gewählten Berufsvertreter müssen über den Inhalt und die Annahme der Prüfungsstandards entscheiden. Nur damit ist die Recht- und Verhältnismäßigkeit der fachlichen Regeln sichergestellt. Gerade auf dem Weg in die ISA-Welt der Abschlussprüfung muss der demokratisch gewählte Beirat die Prüfungsstandards feststellen.

Aus rechtsstaatlichen Gründen sind die Facharbeit und damit auch die Prüfungsstandards vom Beirat der WPK und nicht von den Vertretern der Big4 im IDW festzustellen.

Verhältnismäßigkeit bei den Standards berücksichtigen

Mit der Facharbeit in und durch die WPK schaffen wir die Voraussetzungen zur Erfüllung und Einhaltung der in der WPO geforderten verhältnismäßigen Qualitätsanforderungen. Die gewählten Vertreter in der WPK müssen die vielfach auch in den ISA vorgesehenen Anpassungen an die Verhältnismäßigkeit bei der Abschlussprüfung berücksichtigen.

Schwächen bei der PS-Transformation in der Vergangenheit

Im Zusammenhang mit dem Schwenk zu den ISA im September 2017 hat das IDW eingestanden, dass die ISA-Transformation in die IDW PS „Schwächen“ hatte. Schwächen oder fachliche Mängel sind keine Qualifikation für einen „Standardsetter“. 

Beispiel einer interessenorientierten Transformation

Statt die Werthaltigkeit der CDOs im Jahresabschluss 2007 der HRE mittels Einzelfallprüfung zu überprüfen, wählte der Abschlussprüfer der KPMG die Prüfungshandlung „Plausibilisierung“. Es ist erstaunlich, dass ein qualifizierter Prüfungsstandard PS 300 es gestattet hat, mrd.-hohe Vermögenspositionen, die sich durch mangelhafte Transparenz auszeichnen, mittels Plausibilisierung zur beurteilen. Nachzulesen im HRE-Zeugenprotokoll aus der Sitzung des HRE-Untersuchungsausschusses vom Juli 2009. Der Big4-Verband IDW erstellt immer noch unter seiner Führung im Hauptfachausschuss die sogenannten fachlichen Regeln nicht nur für die Abschlussprüfung. Damit machten sich die Big4-Prüfer im Vorfeld der Finanzkrise die Prüferregeln selbst. Dr. Krommes hat in seinem Buch „Jahresabschlussprüfung“ auf die Schwächen der Transformation der IDW-Prüfungsstandards hingewiesen. Am Beispiel zur Einholung der Prüfungsnachweise machte er seine Kritik fest. Nach ISA 500 können überzeugende Prüfungsnachweise durchaus auch angemessen sein, aber zwingend sind sie deshalb noch lange nicht. Ein Grund, warum es zur Finanzkrise überhaupt kommen konnte, liegt für uns darin, dass der IDW PS 300 es den Big4-Bankenprüfern ermöglichte, mittels Plausibilisierung Abermilliarden uneingeschränkt zu bestätigen. Denn nach IDW PS 300 müssen Prüfungsnachweise im Zweifel nicht zwingend sein, auch überzeugenden Prüfungsnachweise können für den Abschlussprüfer angemessen sein.

Dank legislativer Macht floriert auch das Geschäft.


Schwächen bei der neuen ISA-Übersetzung verhindern!

Die demokratisch gewählte Vertretung des Berufsstands muss sicherstellen, dass die bisherigen Schwächen der IDW-Transformation nicht bei der ISA-Übersetzung ihre Fortsetzung finden. Der erste ISA-IDW-Standard 720 legt nach unserer Meinung noch große Schwächen offen. Pauschale Verweise auf die Anwendung der überholten IDW-PS sind keine sachgerechte ISA-Übersetzung.

Minderregulierung bei Big4, Überregulierung bei WP-Mittelstand und Einzelpraxen

Das IDW wird zu zwei Dritteln von den Big4 finanziert und nimmt damit nachvollziehbar die besonderen Interessen der Big4 wahr. Hochdeutsch: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing. Die sogenannte Facharbeit ist damit zum politischen Instrument des Geschäftsmodells der Big4 geworden. Interessen der Big4 werden als fachliche Regeln in Prüfungsstandards verankert, so z.B. die IT-Prüfung oder die Saldenbestätigungsaktionen. Beide IDW-Vorgaben finden sich aber nicht in den ISA, sind also für den Mittelstand eine Überregulierung!

Wir sind auch gegen den neuen Weg der ISA-Übersetzung. Wir wollen die ISA-Originalübersetzung komplettiert um konkrete Ergänzungen auf gesetzlichen Grundlagen und Klarstellungen. Es darf keine Verknüpfung der ISA mit den IDW PS geben, wie es das IDW bei der ersten Übersetzung des ISA 720 getan hat. Das interessengesteuerte IDW darf unserer Meinung nach keine fachlichen Regeln für den gesamten WP-Berufsstand feststellen.

Kammerselbstverwaltung ernst nehmen

Die EU-Kommission möchte die ISA als den Prüfungsstandard für eine hochwertige Prüfung eingesetzt wissen. Es wird Zeit, dass die WP-Kammer dem EU-Wunsch Folge leistet!

Der Gesetzgeber hat in § 4 WPO dem Berufsstand durch die Wirtschaftsprüferkammer und nicht dem IDW die Erfüllung seiner beruflichen Aufgaben in die Selbstverwaltung übergeben. Die WPO bestimmte weiter, dass eine Kammer der Wirtschaftsprüfer gebildet wird, die in „unmittelbarer Staatsverwaltung“ tätig wird. Der Gesetzgeber hat es damit dem WP/vBP-Berufsstand überlassen, sich selbst die Regeln im Rahmen der WPO zu setzen.

Diesen gesetzlichen Auftrag kann die WPK nur im Interesse aller Berufsangehörigen wahrnehmen, wenn sie auch ihre Hoheit über die Facharbeit ausübt.