Der Newsblog

Autor: Michael Gschrei | Datum: 10. März 2022

Viele Themen brennen den mittelständischen Berufsangehörigen unter den Nägeln

1. Qualitätskontrolle mit Augenmaß, statt 1-Promille-Qualitätskontrolle bei Big4

Um den Big4 ab 2000 die lukrativen US-Prüfungsmandate zu sichern, bekam der deutsche Prüfer-Mittelstand und die Einzelpraxen die Qualitätskontrolle ohne Not aufs Auge gedrückt.

Das IDW und die WP-Kammer spielten nach unserer Überzeugung bei der Überzeugungsarbeit des mittelständischen Berufsstands mit gezinkten Karten. Statt wahrheitsgetreu das oben genannte Eigeninteresse der Big4 als Grund für die Qualitätskontrolle zu nennen, verbreiteten WPK/IDW im WP-Berufsstand eine Illusion: Die erfolgreiche Qualitätskontrolle verhindere die Spaltung des Berufsstands und bedeute zusätzlich hohe Prüfungsqualität, was wiederum als Werbemittel eingesetzt werden könne.

Statt hoher Prüfungsqualität bei Big4&Friends-Prüfungen wurde die Qualitätskontrolle beim Mittelstand von Prüfung zu Prüfung schärfer von der KfQK ausgerichtet. 2018 tönte es aus der KfQK: Die QK muss eine vollumfängliche Prüfung sein. Inzwischen hatten 1500 Praxen von 4500 der Abschlussprüfung den Rücken gekehrt. Statt hohe Qualität gab es also die Spaltung des Berufsstands.

Gleichzeitig wurde die asymmetrische Qualitätskontrolle propagiert. Bei den Großen verlaufen deren Qualitätskontrollen auch heute noch im Geheimen. Doch immer deutlicher wurde für uns die Formel sichtbar: Je größer die WP-Gesellschaft, desto geringer die Überwachung. Dies zeigte sich uns daran, dass der Vorsitzende der KfQK in der Beiratssitzung 12.2021 zugeben musste, dass der KfQK die Anzahl der verantwortlichen Wirtschaftsprüfer nicht bekannt ist. Für den Gesetzgeber und auch für uns, ist diese Person jedoch die wichtigste Person für einen ordnungsgemäßen Bestätigungsvermerk. Dazu hörten wir als Ausrede: Da die großen Gesellschaften nach eigener Anschauung ein funktionierendes Qualitätssicherungssystem haben, müssen auch nur wenige Auftragsprüfungen (rund 40-50 bei einer Grundgesamtheit von rund 35.000) durchgeführt werden. Es wäre doch nur Geld- und Zeitverschwendung.

Auch deswegen ist die Qualitätskontrolle mit Augenmaß immer noch ein Thema. Zwar hat die große Koalition aus den wp.net-Listen, der IDW-Ziegler-Liste und den Big4-Listen eine brauchbare Satzung vom Beirat beschließen lassen. Doch den Hinweisen der Kommission für Qualitätskontrolle vom September 2020 fehlen die verhältnismäßigen Regelungen für die kleinen und mittleren Praxen.

Deswegen haben die beiden wp.net-Listen WP Gschrei und vBP Eschbach bei den Beiratswahlen 2022 die Qualitätskontrolle immer noch im Reformkoffer.

2. Beiratswahl ist auch eine Beitragswahl

Angemessene Kammerbeiträge bedeutet: Gebühren nur von betroffenen Kammermitgliedern fordern und nicht als Beiträge von allen Mitgliedern einkassieren. Seit 2016 zahlen rund 40% der Kammermitglieder die internen Kammerkosten von rund 2,5 Mio. EUR für jene Kollegen, die sich der Qualitätskontrolle unterziehen, mit.

3. Die berufspflichtenfeindlichen Professional Service Firms (PSF) reformieren.

Wirecard zeigt, dass Big4-Prüfungen Nachholbedarf bei der Einhaltung der Berufspflichten haben. Die Gewinnmaximierung der PSF gefährdet massiv die Gewährleistung des Öffentlichen Gutes, den Bestätigungsvermerk (so Diss. Alt, 2006, S. 69). Die Transformation der Big4 zu PSF muss rückgängig gemacht werden. Die Re-Transformation muss aus den Checklisten-Hakenmacher wieder einen Prüfer machen, der auch die Berufspflichten der WPO und der Berufssatzung kennt und anwendet.

4. Die Einführung der Joint Audit Prüfungen im PIE-Segment stützt die Unabhängigkeit des Prüfers

Denn Vier Augen sehen mehr aus zwei.

5. Zur Unabhängigkeit des Prüfers trägt auch eine Gebührenordnung bei. 

Es muss Schluss sein mit: Die Preise sinken, die Prüfungsqualität auch.

6. Die Zusammenführung der Berufsbezeichnungen WP und vBP zu WP ist immer noch nicht erfolgt. 

Die Tätigkeitseinschränkungen für die vBP bleiben. Also spricht weder der Wettbewerbsschutz, noch die Qualitätssicherung gegen eine Zusammenführung. 


Um diese Ziele umzusetzen, brauchen wir aber erst noch Ihre 45 WP-Stimmen bzw. 9-vBP-Stimmen und die absolute Mehrheit im Beirat der Wirtschaftsprüferkammer.